Auf
der Flucht vor den Piraten
von
Hannah Weil
(Schon
immer hat Hannah gerne die Bücher aus der Reihe „Das magische Baumhaus“
gelesen. Die folgende Fortsetzung dazu hat sie sich selbst ausgedacht.)
Philipp saß gemütlich in
seinem Hängesessel, als Anne reingestürzt
„Was denn?“ fragte Anne. „Ich habe geträumt, dass das Baumhaus da ist und wir hin gehen und…“ - „Hey, das habe ich auch geträumt! Das hat doch bestimmt was zu bedeuten! Lass uns nachsehen, ob es da ist!“ Anne war total aufgeregt. Philipp fing an den Rucksack zu packen. Er packte die Meister-Bibliothekar- Karten ein, was zu essen und was zu trinken, sein Notizbuch und einen Stift. Dann rannte er zur Haustür, wo Anne auf ihn wartete. „Los komm!“, forderte sie Philipp auf. Auf dem Weg zum Baumhaus fragte Anne Philipp: „Hast du auch alles eingepackt?“ - „Ja. Hoffentlich!“
Als sie an der riesigen Eiche
ankamen und nach oben schauten, war tatsächlich im Morgengrauen das Baumhaus zu
sehen. Sie guckten hinauf. „Hallo, ihr zwei“,
Totenstill.
Als Anne die Augen aufmachte, sah sie gleich aus dem Fenster. „Hey, schau mal, wir sind auf einer Insel gelandet. Wir sitzen, um genau zu sein, in einer riesigen Palme!“, sagte Anne. „Echt?“, fragte Philipp. „Ja, echt!“, lachte Anne. „Komm, wir gehen runter!“ Sie ging die Strickleiter vom Baumhaus hinunter. Philipp folgte ihr. Als beide unten waren, rief Philipp: „Da ist ein kleines Boot. Komm mal mit!“ Philipp rannte auf das Boot zu. Es war leer und schien verlassen zu sein. „Wollen wir mal reingehen?“, fragte Anne. Philipp nickte. Er stieg vorsichtig mit dem linken und dann mit dem rechten Fuß hinein. „Huch, ganz schön wackelig.“, sagte er und setzte sich auf ein Brett in der Mitte des Bootes. Anne kam zu ihm ins Boot. „Hey, was ist das?“ Sie war mit dem Fuß gegen eine Kiste gestoßen. „Mach sie doch auf!“, sagte Philipp. Anne versuchte, das Schloss zu öffnen. Knack. Sie hatte es geschafft. „Boah, cool!“, rief sie und setzte sich eine Kapitänsmütze, die sie in der Kiste gefunden hatte, auf. „Ahoi!“, rief sie. Philipp suchte in der Kiste nach einer zweiten Mütze. „Ahoi!“, rief auch er. Beide lachten. „Wir müssen uns jetzt mal auf den Weg machen. Sonst wird es dunkel.“, sagte Anne. „Ja. Nimm dir einen Paddel.“, sagte Philipp. Anne nahm sich ein Paddel und paddelte los. „Bääh!“, lachte sie. Anne hatte ein bisschen dolle mit dem Paddel im Wasser herumgeplanscht, so dass sie eine Ladung Wasser ins Gesicht bekam. Philipp lachte. „Bist du aber nass!“, rief er lachend. Da musste Anne selber lachen. „Hey, guck mal, wir treiben ganz von alleine.“, sagte sie. „Ah, gut. Dann kann ich ja mal ein Schläfchen machen.“, sagte Philipp zufrieden. „ Ja, ich werde mich auch mal hinlegen“, sagte Anne. Sie setzten sich auf den Boden des Bootes und legten die Köpfe auf das Brett. Beide schliefen sehr schnell ein und schliefen auch sehr lange.
Doch nur ein wenig später dotzten sie gegen ein riesiges Schiff, ein viel größeres als ihr eigenes. Anne wachte zuerst auf. „Booaah!“, rief sie und weckte Philipp auf, der immer noch ruhig schlief. Er erschrak, als er das Schiff sah. „Was ist denn das für ein riesiges Schiff?“, fragte Philipp. „Keine Ahnung“, antwortete Anne. Von dem Schiff dröhnte lautes Geschrei zu ihnen hinunter. „Hey, Käptn, da sind zwei auf einem Boot!“, schrie einer dem anderen zu. Philipp tippte Anne an und zeigte nach oben auf eine kleine Flagge, die am Schiffmast war. Anne rieb sich die Augen. Sie konnte ihnen nicht trauen, was sie sah. „ Das…das…ist ein Totenkopf. Piraten!“, sagte sie fassungslos. „Ja, weg hier!“, schrie Philipp. Er wollte eigentlich nicht so laut schreien. Aber die Piraten hörten es. „ Da, sie…!“ - aber weiter kam der Pirat nicht, weil ein anderer Pirat ihm den Mund zuhielt. „Mensch, das hörn’ die doch!“, sagte er. „Ups!“, sagte der Pirat, der so geschrien hatte. Anne und Philipp hatten es trotzdem gehört und wussten genau, was er sagen wollte. „Nichts wie weg hier“, flüsterte Anne. Sie paddelten los. Sie paddelten schneller und immer schneller. Doch plötzlich machte es Peng. Einer der Piraten hatte eine Kanone auf ihr Boot gerichtet und ihr Boot auch fast in die Luft gesprengt, wenn Philipp nicht blitzschnell mit dem Paddel der Kugel ausgewichen wäre. „Puh, das war knapp. Ich befürchte, die schießen noch mal!“. Die Piraten schossen ein zweites Mal. Jetzt trafen die Piraten ihr Boot. „Aaaah!“, schrien beide gleichzeitig. Das Boot zersplitterte in tausende Teile. Anne griff mit einer Hand nach dem größten Stück des zersplitterten Bootes und mit der anderen Hand nach Philipp. Anne zog sich an dem Holzstück hoch und versuchte, Philipp mitzuziehen. Es gelang ihr und beide saßen auf dem Holzteil. „Puh, dass ist ja gerade noch mal gut gegangen“, sagte Philipp keuchend.
Knack. Das Holzteil war in der Mitte durchgebrochen. Philipp und Anne bekamen einen Riesenschreck, als unter ihnen zwei graue Dinger auftauchten. In weiter Entfernung sahen sie zwar keine Piraten mehr, aber dafür Delfine. „Anne, das sind Delfine! Wir sind gerettet!“, rief Philipp. Nun tauchten die beiden Delfine unter ihnen richtig auf. „Ihr seid unsere Retter!“, rief Anne und schmiss sich auf einen der Delfine und gab ihm einen Kuss. „Ih!“, rief Philipp. „Das sind doch keine Kuscheltiere!“ „Hallo, die haben uns gerade das Leben gerettet. Da darf man sich ja wohl mal bedanken!“, rief Anne empört zurück. Philipp schmiss sich auf den anderen Delfin und rief: „Da lang!“, und zeigte auf die Insel, wo die Palme mit dem Baumhaus stand. Sein Delfin setzte sich in Bewegung und schwamm auf die Insel zu. „Hinterher!“, rief Anne. Auch ihr Delfin schwamm los.
Philipp war schon da und
sprang vom Delfin in den Sand. „Hey, was ist das?“, fragte er Anne, als auch
sie in den Sand sprang. Philipp hatte eine Minikiste gefunden. „Mach mal
auf!“, forderte Philipp Anne auf. Anne bekam auch diese Kiste auf. „Boah!“,
rief sie. In der Kiste waren zwei goldene Ringe. „Wir müssen los!“, sagte
Anne und gab jedem Delfin zum Abschied noch einen Kuss. Philipp gab jetzt auch
noch jedem Delfin einen Kuss, streichelte sie und nahm die Kiste mit zum
Baumhaus, wo Anne auf ihn wartete. „Ach. Ich dachte, das sind keine
Kuscheltiere.“ „Sie haben uns doch das Leben gerettet.“, sagte Philipp.
Beide lachten. Sie kletterten die Strickleiter hoch und zeigten auf das
Pennsylvania-Buch und wünschten, sie wären dort. Wind kam auf. Das Baumhaus
fing an, sich zu drehen. Es drehte sich immer schneller und schneller. Dann war
alles wieder still.
Totenstill.
Sie machten die Augen wieder
auf und dann sagte Philipp: „Wo ist Morgan?“ - „Hier!“ ,sagte Morgan
hinter ihnen. „Was habt ihr mir mitgebracht?“, fragte sie. Anne gab ihr die
Kiste mit den zwei goldenen Ringen und sagte: „Zwei goldene Ringe!“ Morgan
schaute sich die Ringe an und sagte: „Die könnt ihr behalten!“ Philipp zögerte
nicht lange. Er nahm die Kiste und steckte sie in seinen Rucksack, der immer
noch ganz nass war. „Wir müssen los!“, sagte er dann. „Tschüss!“,
sagte Morgan, und verschwand im Nichts. Philipp und Anne kletterten die
Strickleiter hinunter und gingen beruhigt nach Hause.
Hannah Weil, 31.07.2008